Erdbebenfolgen

Meine Frau und ich, waren vom 26.10. bis zum 6.11.1999 in Istanbul und auch in der Ägäis.
Wir waren also nur in verhältnismäßig 'leicht' geschädigten Gebieten um unsere dort lebenden Verwandten und Bekannten zu besuchen. In den schwer getroffenen Unglücksgebieten haben wir niemanden. Dort wären wir also höchsten ungeliebte Gaffer gewesen.
Ankunft in Istanbul, Übergabe des Leihwagen (zu dieser Jahreszeit bei 2 Wochen Leihzeit sehr günstig) und rein in den Verkehr, alles klappte prima. Obwohl ich dem Autofahren in Istanbul schon seit vielen Jahren abgeschworen hatte kam ich mit der Drängelwirtschaft noch prima zurecht. Nur wenn wir mehr standen als fuhren merkten wir eigentlich wie Übel die Verkehrssituation geworden ist (2 Stunden fahrt für die ca. 30 KM Stecke vom Flughafen über eine der Bosporus-Brücken nach Asien. Auf dieser Strecke, auch durch die Altstadt, suchten wir vergeblich nach geschädigten Häusern.
Alles ging dort seinen normalen Lauf. Offensichtlich sind dort die alten Häuser schon erdbebengetestet und die neuen dazwischen vernünftig gebaut. Von den Istanbuler Randbezirken sind zwei Bezirke stark betroffen. Jeder schimpft hier über die unsolide Bauweise.
Ob das der einzige Grund ist mag ich nicht beurteilen. Aber es gibt schon zu denken wenn ein dreistöckiges Haus zusammenfällt und ein dreißigstöckiger 'Wolkenkratzer' daneben bleibt stehen. Jedenfalls war man hier sehr schnell mit der Aufräumerei. Wir haben keine Trümmern mehr gesehen. Statt dessen, selbstgebastelte Hütten und Zelte auf den freien Plätzen in denen immer noch Menschen leben.
Die meisten Menschen, mit denen wir gesprochen hatten, haben einen seelischen Knacks weg. Je nach Erdbebenerlebnis multipliziert mit Wesensart äußert sich das in unterschiedlicher Weise. Seelisch unbelastete Menschen haben wir nicht getroffen.
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