'Randbezirke Istanbuls'

2. Die mehr oder weniger neuen 'Randbezirke Istanbuls' (fast die ganze Stadt scheint nur aus Rand zu bestehen), mit ihren Häusern, die schneller alt als fertig werden und einer Straßenplanung für gestern, anstatt für morgen. Ich denke hier wohnen die meisten Einwohner Istanbuls. Alle, die irgenwelche malerischen Beiträge über Istanbul schreiben oder drehen, haben wohl vergessen hierher zu kommen. Hier tobt das 'normale Leben'. Menschen, die zufrieden sind eine bezahlbare Wohnung zu haben. Die Häuser, 1-10 Etagen kreuz und quer gebaut, sind unten längst bezogen bevor sie oben fertig sind. Geschweige, dass sie außen verputzt sind. Hier dominiert das Grau der Betonrippen und das Rot der gebrannten Langlochsteine. Von mir gern als 'Türkisch Rot' bezeichnet. Der Staub der Straßen die oft nach 10 Jahren noch nicht befestigt sind erhöht die Trostlosigkeit. An größeren Straßen dieser 'Randbezirke Istanbuls' wurden hier und da verglaste und verspiegelte Paläste von Banken, Autohäusern oder anderen Firmen errichtet. Hier findet man durchaus, auch für uns, klangvolle Namen (Phillips, Ford, Bauhaus, usw.). Diese wirken in diesem Chaos wie Ufos auf dem Berliner Alexanderplatz. Zur Energie- und Wasserversorgung kann ich nur sagen, daß die Stromausfälle seltener geworden sind (je weiter weg von Städten, um so häufiger). Welch ein Glück, daß ich meine Gedanken auf einem Laptop festhalte. Die Gasversorgung klappt prima. Sie wird in der Türkei großenteils mit Gasflaschen betrieben, wie ich sie früher nur vom Camping kannte.
Das System funktionierte immer prima. Aber inzwischen sind Erdgasröhre und fester Hausanschluss auf dem Vormarsch.

Die Farbe dieses Steines verkörpert das 'Türkische Rot'

Die Versorgung mit Leitungswasser ist manchmal etwas schwach und die Menschen trinken es nicht mehr. Ich habe mir jedenfalls aufgrund von Erfahrungen angewöhnt immer einen Eimer mit warmen Wasser in der Dusche zu haben, um mir wenigstens die Seife abspülen zu können. Übrigens habe ich hier nie eine Wohnung ohne Dusche oder Bad gesehen. Wenn ich das mit unseren altberliner Häusern vergleiche, haben wir da noch großen Nachholbedarf. Der 'Tante-Emma-Laden' dominiert hier immer weniger, weil die Supermärkte nachdrängen.
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