Das Begrüßungsritual


Das Gastmahl

Es läuft immer ähnlich ab. Zur Anschauung möchte ich unseren Besuch bei Verwandten in einem abgelegenen Ort in der westlichen Schwarzmeerregion schildern. Dort angekommen, wurden wir sofort in das Zimmer mit den Stühlen geführt und unzählige male willkommen geheißen. Jeder einzeln von jedem. Alle Bewohner des Hauses und einige Verwandte aus der Nachbarschaft kamen zusammen. Wir waren eine willkommene Abwechslung. Sie hatten zwar gewußt, daß wir kommen, aber nicht wann. Sie hatten also keine Zeit für irgendwelche Vorbereitungen. Nachdem nun jeder Nachzügler nochmals jeden von uns willkommen geheißen hatte und die Jüngeren die Älteren mit besonderem Respekt begrüßt hatten wurde nach jedem gefragt an den man sich überhaupt nur erinnern konnte. Die Begrüßungszeremonie Der Jüngere macht vor dem Älteren eine Verbeugung, dabei nimmt er mit seiner Rechten des Älteren rechte Hand küßt deren Handrücken und drückt diesen gegen die eigene Stirn. Danach fässt man sich um und drückt sich je nach dem wie sehr Mann sich verbunden fühlt klopft man sich dabei leicht auf den Rücken oder küsst sich gar auf die Wangen.

Natürlich wurden wir zum Essen eingeladen, obwohl wir noch weitere Besuche an diesem Tag vorhatten. Eine Ablehnung unsererseits wäre aber sehr unhöflich. Denn jede türkische Hausfrau wird schwere Probleme damit haben, wenn ein Gast ´hungrig´ aus ihrem Haus geht. Im Nebenraum wurde ein Tuch von ca. 250 x 250 cm auf dem Fußboden ausgelegt um denselben vor Kleckerer zu schützen. Darauf wurde ein runder Tisch von D.:120 cm, H.: 25 cm gestellt. Er ist aus einfachem unbehandeltem Holz. Die Hausfrau und zwei weitere Frauen trugen ein Stahltablett von der Grösse des Tisches herbei und stellten es auf diesen ab. Darauf standen schon die Speisen. Das waren eine Schüssel mit einer dicken Suppe aus roten Linsen, ein großer Teller mit mundgerechten Wassermelonenstücken und ein Teller mit frischem Salat aus Tomaten, Gurken, Zwiebeln und Paprika. Das geschnittene Fladenbrot lag auch schon zwischen den Tellern verteilt. Wir setzten uns alle in einer Art halben Schneidersitz um diesen Tisch, zogen uns einen Zipfel des großen Tuches auf den Schoß und aßen alle ohne die Zwischenstation von eigenen Tellern.
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