Figur auf einer über 300 cm großen Schlitztrommel

Woraus entstehen Museumssammlungen?

Aus dem Kameruner Grasland
1. Vorwort

Schon aus dem 16.Jahrhundert ist überliefert, dass an Fürstenhäusern "Raritäten- und Kunstsammlungen" angelegt wurden. Diese bestanden aber hauptsächlich aus wertvollen Materialien wie Gold, Silber, Elfenbein usw. und wurden auch als eine Art Rücklage angesehen. Weniger ging es um Gegenstände die wir heute als Ethnographika ansehen.


2. Die Ursprünge

Sofern diese Sammlungen die diversen Kriege im Laufe der Jahrhunderte überstanden, sie also nicht als Kriegsbeute abhanden kamen oder gar verkauft wurden um eigene Armeen auf zu rüsten, sind daraus sehr oft regional ansässige Museen geworden.

So kann man heute auch sagen, dass die Wurzel der meisten Berliner Museen in den Beständen der ''Kurfürstlich-Brandenburgischen Kunstkammer'' zu finden sind.






Salzgefäße aus Elfenbein. 15./16.Jahrhundert, Sierra Leone
Bestimmte Formelemente lassen sogar Bestellarbeit vermuten.

Diese beiden 'Salzgefässe'
stammen vermutlich aus der Kunstkammer
Mecklenburgischen Adels




Gesammelt vor 1880 in Nigeria von Gustav Nachtigal

Die oberen zwei Gewänder sind aus russischer Kriegsbeute zurückgeführt.
3. Von der Idee zum Museum

Aus dem 17.Jahrhundert ist schon der Gedanke überliefert, die 'zur privaten Erbauung' angelegten Sammlungen der Adligen, Reichen und Regierungshäuser, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Gedanke des Museums war geboren.


4. Die Museumsinsel in der Berliner Spree

Seit 1829 besteht die ethnographische Sammlung und war gelehrten Kreisen zugänglich. 1825 wurde in Berlin am Kupfergraben der Grundstein für das 'Alte Museum' gelegt. Nach den Plänen von Schinkel. 1830 wurde es eröffnet. Friedrich Wilhelm IV. konnte dafür begeistert werden die nördlich vom Museum gelegene Spreeinsel zu einer Museumsinsel aus zu bauen und so wurde 1843 der Grundstein zum 'Neuen Museum' gelegt. Ab 1856 beherbergte es die Ägyptische, die Prähistorische und die Etnographische Sammlung. 1859 wurde es dann für den allgemeinen Besuch geöffnet.
5. Sammeln bis die Polizei droht

Danach sorgten großzügig gewährte Ankaufsmittel für ein ziemlich schnelles Anwachsen der Sammlung. So wurde 1873 der Beschluss gefasst in der Königgrätzer Strasse 120 (heute Stresemannstrasse nahe Potdamer Platz) ein eigenständiges Museum für Völkerkunde zu errichten. Am 18.12.1886 wurde es eröffnet und bald schon wieder hoffnungslos mit Objekten überfüllt. 1899 eröffnete am Lehrter Bahnhof das Deutsche Kolonialmuseum. 1903 wurde beschlossen zur Entlastung auf der Domäne Dahlem einen Schuppen zu errichten. Dieser war 1905 fertig gestellt. Als 1906 die Verlagerung der Objekte nach Dahlem begann, drohte dem Museum in der Königsgrätzer Straße schon die polizeiliche Schließung weil die Gänge und Treppen so vollgestellt waren, dass nicht einmal mehr zwei Leute an einander vorbeigehen konnten.
Privatbesitz. Sandbild aus Senegal
6. Die Objekte und die Weltkriege

So kam es 1910 zu den Plänen für die Museumsbauten in Dahlem. Jeder Kontinent sollte ein eigenes Haus erhalten. Im März 1912 stimmte das Abgeordnetenhaus zu. Zum Kriegsbeginn 1914 mussten die Bauarbeiten gestoppt werden. Das Gebäude war noch ohne Dach und drohte durch Verwitterung Schaden zu nehmen. Als 1921 noch nicht genügend Mittel verfügbar waren, wurde beschlossen das Gebäude auf sparsamste fertig zu stellen und zu überdachen. 1923 wurden die nicht zur Schau gestellten Objekte, aus den viel zu feuchten Schuppen, in das neue Haus umgelagert. Der Umzug musste durch den Verkauf von Objekten (Doubletten) finanziert werden. 1926 erst konnte das Gebäude in Dahlem als Völkerkunde-Museum eröffnet werden. Schon 1934 wurden die ersten Überlegungen zur Bergung der Objekte in die Wege geleitet. Es wurden Listen erstellt von 1.Ganz unersetzlichen Objekten 2.besonders wertvollen Sammlungsteilen und 3. dem Ügrigen. Kisten und Verpackungen wurden gebaut und die Keller füllten sich. Damit sollten die Gruppen 1 und 2 im Ernstfall abtransportiert werden, den man schon 1938 (!) als gekommen sah. 1939 zur Mobilmachung war die Bergungstätigkeit längst im vollen Gange. Es wurden Objektgruppen (die wohl dann doch nicht der ursprünglichen Planung entsprachen) in ungefährdetere Gegenden Deutschlands verlagert und einiges stand bei Kriegsende schon zum Abtransport verpackt im Museum. Auf diese Weise sparten sich die Siegermächte das Einpacken der Kriegsbeute. Nach einigen 'Irrfahrten' sind die meisten Objekte aber wieder zurückgegeben worden.
War bis zur Wiedervereinigung in Leipzig zwischengelagert.

36m rückgeführte russische Kriegsbeute
7. Auswirkungen des geteilten Deutschlands.

Da eine Zusammenarbeit zum Erhalt des kulturellen Erbes Deutschlands mit der DDR nicht möglich war, wurde 1959-1961 die Stiftung Preussischer Kulturbesitz geschaffen um die finanzielle Last der Staatlichen Museen zu Berlin auf alle Bundesländer zu verteilen. Dieser Stiftung wurde auch das Völkerkundemuseum Berlin zugeordnet. Diese finanzielle Entlastung soll im Laufe der nächsten Jahre wieder zu ungunsten des Landes Berlin aufgehoben werden. Wie das im Angesicht des Berliner Schuldenberges geschehen soll weis wohl keiner so recht und wir dürfen gespannt sein.
8. Quellennachweis.

Dies ist eine sehr scharf geraffte Darstellung (von mir aus div.Quellen erarbeitet), wie es von den Sammlungen der Adelshäuser zum Ethnologischen Museum Berlin mit ca. 500.000 Objekten kam. Ich denke, es wird für den 'Durchschnitts-Interessierten' erschöpfend genug sein. Wer allerding tiefgründiger Wissen schürfen möchte und zum echten Insider (:-)) werden will, kann gerne in die museumseigene Bibliothek gehen (zu den normalen Öffnungszeiten). Dort kann er im Band: ''Hundert Jahre Museum für Völkerkunde Berlin'', Baessler-Archiv Beiträge zur Völkerkunde, Band XXI (1973) auf 465 Seiten alles ausführlich nachlesen.





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