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Autofahren in der Türkei

Einiges aus meiner 30-Jahre-Erfahrung
Wenn Du nicht wenigstens ein einigermaßen erfahrener Autofahrer bist, mit guten Nerven, dann solltest Du lieber davon absehen in der Türkei ein Lenkrad in Deine Hände zu nehmen. Für deutsche Maßstäbe herrscht dort ein undiszipliniertes Treiben. Aber das stimmt so ebend nicht. Obwohl sich die Straßenverkehrsordnung so ähnlich wie unsere liest. Es ist eine andere, für uns, anfangs schwer durchschaubare Gesetzmäßigkeit gültig.

Unübersichtliches Überholmanöver

(Siehe unten Beispiel 1.) Hier nach deutschen Maßstäben zu handeln bedeutet schon fast einen Verkehrsunfall verschuldet zu haben. Wenn der Andere nicht doch noch alles verhindern kann. Denn er hat ja mit Dir gerechnet und auch nur Angst um sein 'schönes' Auto, sein Statussymbol. Autos und Handys sind in der Türkei Statussymbole von höchster Rangordnung. Die möchte keiner beschädigt haben. In der Türkei Unfallanzeigen abwickeln und dann auch noch etwas ersetzt zu bekommen (meist erst nach vielen Monaten) ist ein schwieriges Unterfangen. Das fürchtet jeder und wird es nicht provozieren. Ohne Polizei läuft da nichts. Bei dem leisesten Verdacht auf Alkohol, ob schuldig oder nicht, findest Du Dich erst einmal in der nächsten Klinik zur Blutprobe wieder. Bei dem geringsten Alkoholnachweis hast Du dann sowieso Schuld. Als Gast wirst Du in der Türkei immer mit einer besonderen Fürsorglichkeit behandelt werden. Ich habe das in über 30 Jahren nicht einmal anders erlebt. Aber wenn es dann an's kassieren geht, ist die Polizei unerbittlich. Solltest Du protestieren, wirst Du die türkische Polizei, oder Jendarmen (das sind Soldaten mit Polizeigewalt) in ihrer sprichwörtlichen orientalischen Ruhe kennenlernen. Betrunkene, Randalierer und Exentriker werden kurzerhand erst einmal abgeführt und eingesperrt. Wie lange? Weis nicht, 8 Stdn, 12 Stdn, 24 Stdn. ????? Die angeblich übliche Beamtenbestechung kann ich nicht bestätigen. Allerdings habe ich auch schon die Strafe für ein angebliches Parkverbot (es war kein Schild da) nicht bezahlt. Der Beamte der mir das unter den Scheibenwischer geklemmet hatte war noch in der Nähe. Ich bin zu ihm hingegangen und habe mit ihm so lange herumdiskutiert bis sein Vorgesetzter ankam. Der hat dann den Zettel zerrissen. Jetzt steht ein Schild da. So geht es also auch. Manchmal?? Immer?? Weis nicht !! Weitere Besonderheiten will ich hier nur noch auflisten.

  • Beispiel 1: Warnsignale von anderen Verkehrsteilnehmern.
  • Wenn Du bei uns aus einer Ausfahrt oder einer Nebenstraße auf eine Vorfahrtsstraße einbiegen willst und auf der Vorfahrtsstraße blendet Dich ein Wagen mit Fernlicht kurz an, heißt das: 'Bieg ein ich lasse Dich vor.' In der Türkei heißt das: 'Bleib ja stehen, jetzt komme ich.'

    Nicht immer laufen Esel so dizipliniert am Strassenrand
  • Beispiel 2: Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Landstraße
  • = 90 km/h, mehr zu fahren kommt meist einem russischen Roulett gleich, Hindernisse treten meist sehr plötzlich und ohne Vorwarnung auf. Oder nur auf Schildern in türkischer Sprache. Wenn Du die verstehst ist es ja gut (:-).

  • Beispiel 3: Geschwindigkeitsbeschränkungen in Ortschaften.
  • Sogenannte geschlossene Ortschaften beginnen mit rechteckigen Tafeln in Verkehrsblau mit dem Ortsnamen darauf. Bei größeren Orten steht noch Nüfüs (=Einwohner) mit einer Zahl darunter. Ab hier gilt, wie bei uns, 50 Km/h. Das Problem ist bei kleineren Ortschaften, die Schilder stehen so weit vor den Orten, dass Du keinen Grund siehst plötzlich auf offener Landstraße 50 Km/h zu fahren. Irgendwann kommen ein paar Häuser und hinterher geht es bis zum Ortsende nochmal so weiter. Wenn Du hier wirklich 50 Km/h fährst bist Du der einzige. Aber Vorsicht! In schattigen, oder unübersichtlichen Plätzchen lauert schon mal die Polizei. Sie blitzen und lasern genauso wie unsere.

    Teilweise sind die Strassen sehr gut

  • Beispiel 4: Straßenbaustellen.
  • Eben hast Du Dich noch über die tolle Straße gefreut, plötzlich mußt Du hart in die Bremse gehen. Weil Du jetzt durch das Schotterbett der zukünftigen Straße geleitet wirst. Das manchmal viele Kilometer. Staub überall und heimtückisch spitze Steine auf der Windschutzscheibe bleiben Dir nicht erspart. Es gibt selten Umleitungen, meistens musst Du durch die Baustellen. Wenn der Aphalt in der Hitze glatt gefahren ist wird einfach grober Splitt auf die Straße geschüttet und es geht von vorne los. Das passiert natürlich alles während des normalen Verkehrs. Meist steht vorher ein Schild:'Iş makinası cikabılır' (Arbeitsmaschienen könnten in den Weg kommen).

    Das kann sich schnell ändern. Schotter und Staub über lange Strecken

  • Beispiel 5: Nachtfahrten.
  • Davon kann ich, auf Fern- und Landstrassen, nur dringend abraten. Die wenigsten Strassen, außerhalb von Ortschaften, sind nachtfahrtauglich. Selten gibt es Randbefestigungen oder eine weiße Randlinie. Damit geht auch meistens das Fehlen der Mittellinie einher. Entweder sie sind abgefahren oder frisch überdeckt mit neuem Splitt. Dann fährst Du Dunkelschwarz in Dunkelschwarz. Autoscheinwerfer und Begrenzungsleuchten an anderen Fahrzeugen blenden oder fehlen. Es ist zum Beispiel überhaupt nicht lustig wenn Du 80 Km/h fährst und dicht vor Deiner (Auto-)Nase taucht ein riesengroßer krichender Schatten auf. Ein Heuwagen ohne Rückbeleuchtung, die Fuhre wird so überladen, dass sie die Rückleuchten der Zugmaschiene total verdeckt. Diese häufige Situation kann Dich schon ins Schwitzen bringen, da dieses Gespann meist nicht schneller als 20-25 Km/h fährt. Zahlreiche Kurven und Fußgänger tun das übrige.
    Das erste mal besuchte ich die Türkei mit dem Auto. Das war 1973. Meinen Führerschein besitze ich seit 1969 (übrigens ohne Unterbrechung (:-)) ).
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